Ein Wort vorweg

Die Aufzeichnungen in diesen Mühlenbüchern haben eine Vorgeschichte, die nicht darin verzeichnet ist:
Im Frühsommer 1982 machten Klaus und Gisela Zell mit ihrem kleinen Sohn Fabian Urlaub auf dem Bauernhof in Ollerding. Fabian sollte als Großstadtkind das Landleben kennen lernen, so wie es Klaus in seiner Jugend als Hütebub im Allgäu erlebt hatte.

Bei einem Spaziergang von Ollerding aus entdeckte Klaus das leer stehende Haus, die Einöde Furthmühl am Lanzinger Bach – und war sofort angetan vom alten Haus und seiner Lage am Bach. Er erkundigte sich nach dem Eigentümer und wurde verwiesen an Franz Stockhammer Senior, den Wirt zu Kay. Der war bereit, das schon seit zwei Jahren leer stehende Haus zu vermieten.

Allerdings war das Haus in einem kaum bewohnbaren Zustand. Es fehlten beispielsweise der Anschluss an die Wasserversorgung und ein belastbares Stromnetz. Die heutige Stube war Wohnküche mit einem alten Herd und einem Durchgang zum Stall. Die Bretter des Fußbodens wurden nur noch durch den ochsenblutfarbenen Anstrich zusammengehalten. Die heutige Küche und das Bad waren Abstellraum, besser Rumpelkammern. Ein WC gab es nicht, man verrichtete sein Geschäft in einem Plumpsklo über der Odelgrube (das übrigens beim großen Mühlenfest anno 1987 noch einmal gute Dienste leistete).

Es gab also viel zu tun, um das Haus bewohnbar zu machen. So fragte mich Klaus nach der Rückkehr vom Land, ob ich nicht Lust hätte einzusteigen. Ich hatte zu jener Zeit gerade eine negative Erfahrung mit dem Bauernhof einer Freundin hinter mir. Zudem waren meine Eltern damals von Kiel nach Bad Feilnbach gezogen, ich hatte also Wochenendverpflichtungen dorthin. Trotzdem war ich neugierig, fuhr mit Klaus zur Mühle – und war sofort dem Ort verfallen.


Die Mühle vor ihrer Sanierung durch Franz Stockhammer jr. im Jahr 1993

Ich sagte Klaus spontan meine Hilfe zu, und wir machten an Wochenenden gemeinsam, was unsere handwerklichen Fähigkeiten hergaben. So schaufelten wir nach der Entfernung der alten Bodenbretter allein 130 Schubkarren Tuffsand aus der Stube zur Vorbereitung eines neuen Bodens. (Die eingeritzten 130 Striche an der Wand für jede Karre waren noch lange zu sehen.) Einen neuen Bodenbelag nahmen wir vom Speicher, dessen Bretter gut erhalten waren. Mit dabei war einige Male »Bademeister« Mecki, das Faktotum von Klaus Zell. Das Foto auf Seite 3/Buch1 zeigt zu dritt uns bei einer Brotzeit im Jahr 1982 unterm Apfelbaum, allerdings noch ohne den berühmten Tisch. Mit der Installation von Wasser und Elektrizität sowie dem Bau eines Ofens beauftragte Klaus Handwerker aus der Region. Die Stuben im ersten Stock waren noch halbwegs bewohnbar, und so gab es 1983 schon erstes Probeschlafen im sogenannten Sommerzimmer, das Klaus mir für meine Mitarbeit »auf Lebenszeit« versprochen hatte.

Dass daraus für Mou und mich 38 Jahre Mühlenleben werden würden, ahnte damals keiner. Mein Freund Klaus starb leider schon 1989 mit nur 50 Jahren. Gisela Zell zog sich 1996 von der Mühle zurück. Seitdem sind Mou und ich Altmüller von Furth. Nach dreimaligem Anlauf vollzogen wir Ende 2020 schließlich den schmerzhaften Abschied von der Mühle. Im Februar 2021 übergaben wir an unsere Nachfolger Sabrina und Stefan.

Dass allen, die die Einöde Furthmühl im Lauf der Jahrzehnte lieb gewonnen haben, hier ein Dokument vieler schöner Stunden zur Verfügung steht, haben wir unserem Freund CUNO GREIFF zu verdanken, der diese Mühlenbücher mit unglaublichem Engagement und bewundernswertem IT-Skill ins Netz gestellt hat.

Bodo und Mou
München im März 2021